Wenn man einen Blindenlangstock verwendet, kann es bei regelmäßiger Nutzung zu einer unschönen Begleiterscheinung kommen: Dem Tennisarm. Dieser entsteht, wenn die Unterarm-Muskulator permanent überlastet wird. Leider ist dies bei mir eingetreten.
Wenn Training zum Kostenfaktor wird
Zwar hatte ich eine blindentechnische Grundausbildung, in deren Rahmen ich ein O+M-Training (Orientierung und Mobilität) absolvierte, jedoch dauerte meine gesamte BTG nicht 12 Monate, wie es allgemein üblich ist, sondern lediglich drei Monate.
Dadurch habe ich natürlich nicht ausreichend lernen können, mit dem Blindenlangstock richtig umzugehen.
Begründet wurde dies durch die Agentur für Arbeit, die in diesem Fall der Kostenträger war, durch zu hohe Kosten. Dadurch habe ich natürlich nicht ausreichend lernen können, mit dem Blindenlangstock richtig umzugehen. Und das hat letztendlich zur Überlastung der Unterarm-Muskulatur geführt.
Der IO von .whitecane als Alternative und die Bürokratie
Ich hatte auch einen IO der Firma .whitecane im Einsatz, jedoch brach bei meinem Stock der Rolladapter, der lediglich aus Kunststoff besteht, so ungünstig an einem Bahnübergang ab, dass dieser nicht mehr wechselbar und mein Stock somit unbrauchbar war.
Deshalb habe ich mich zwischenzeitlich anderweitig umgesehen […]
Die Neubeantragung nahm 14 (in Worten VIERZEHN) Monate in Anspruch. Drei Monate dauerte die Beantragung durch die Krankenkasse. Die Firma .whitecane benötigte dann weitere 11 Monate, um den Stock zu liefern.
Den stoßgedämpften Langstock von Ambutech hatte ich vorsorglich als Ersatzstock bestellt und da nach dem Defekt des IOs die Odyssee ihren Lauf nahm, entschied ich mich, ihn als Hauptstock einzusetzen.
Schwergewichtige Angelegenheit
Wer schon mal Stöcke der Firma Ambutech benutzt hat, der wird eines feststellen: Diese Stöcke haben ganz schön viel Gewicht. Das kann der Bodenhaftung natürlich zu gute kommen (und es verteilt bei großen und schweren Spitzen das Gewicht besser), aber es geht natürlich auch entsprechend in den Arm.
Bei einem hohen Eigengewicht […] kommt es bei der Benutzung zu weniger Mikrovibrationen.
Warum kann nun ein solcher Stock dennoch bei einem Tennisarm von Vorteil sein? Bei einem hohen Eigengewicht in Kombination mit einer schweren Rollspitze kommt es bei der Benutzung zu weniger Mikrovibrationen, was wiederum den gereizten Unterarm schont.
Gewicht (Stock): 281 Gramm*
Gewicht (Spitze): 96 Gramm
Stocktyp: Faltstock
Segmente: 4 + Griff
Grifflänge: 23 cm*
Spitzenaufnahme: Haken (per Adapter auch 8mm-Gewinde)(* bei 142 cm Länge)
Bei einem solch hohen Gewicht würde ich mit meinem Tennisarm ungern den Stock durch die Gegend pendeln, auch wenn die Stoßdämpfung natürlich die Vibrationen sehr gut abfedert (und mir mein Physiotherapeut auch eher zu dem schweren Stock geraten hat).
Links, rechts, vor, zurück – 360° Bewegungsfreiheit
Genau hier setzt jetzt aber die Pathfinder-Spitze an. Diese Rollspitze lässt sich nicht nur nach links und rechts rollen, wie man es von klassischen Rollspitzen kennt.
Diese Aufnahme jedoch lässt sich um 360° drehen.
Die kugelförmige Spitze kann in ihrer Aufnahme in der Tat nur in zwei Richtungen bewegt werden. Diese Aufnahme jedoch lässt sich um 360° drehen.
Nehmt ihr jetzt den Stock und haltet ihn gerade vor euch gestreckt, könnt ihr den Stock vorwärts führen und somit ohne Pendelbewegung den Weg abtasten. Würdet ihr dies bei einer regulären Spitze machen, würdet ihr diese einfach vor euch herschleifen.
Lautstärke
Große Rollspitzen neigen gerne dazu, ein lautes Laufgeräusch zu entwickeln. Dies ist Bauart-bedingt, da die runde Spitze häufig hohl ist, um das Gewicht zu reduzieren.
[…] habe ich noch keine leisere Rollspitze gehabt.
Auch über die Pathfinder habe ich schon negatives bezüglich der Geräuschentwicklung gelesen. Wird die Spitze jetzt ohne Pendelbewegung geführt, kann ich diesen Eindruck jedoch nicht bestätigen. Im Gegenteil: Abgesehen von der GEO hoch moll für den IO, die wirklich unglaublich leise ist, habe ich noch keine leisere Rollspitze gehabt. Ich werde später noch auf die Geräuschentwicklung und die Eigenarten bei einer Pendelbewegung eingehen.
Griff und Handschlaufe
Der Griff des Stocks besteht aus rotem, gelochtem Leder. Ich persönlich würde als Griffmaterial Kork bevorzugen, kann aber auch mit Leder leben. Durch die Lochung schwitzt das Handgelenk im Sommer nicht zu stark.
Was ich bei Ambutech-Stöcken immer als nachteilig empfand, war die Handschlaufe.
Wer Stöcke der Firma Svarovsky gewohnt ist, muss sich erstmal umgewöhnen. Es gibt hier nämlich nicht zwei Nähte, die den abgeflachten Bereich umsäumen, sondern nur eine Naht, die an der spitz zulaufenden Stelle des Griffs sitzt.
Was ich bei Ambutech-Stöcken immer als nachteilig empfand, war die Handschlaufe. Diese hat am Ende nämlich ein Plastikstück, dass auch mal unangenehm gegen das Handgelenk schlagen kann beim Pendeln. Hier ist die Schlaufe länger, so dass dies nicht mehr so schnell auftritt. Leider ist die Schlaufe aber auch so groß, dass man sie einmal zusammenlegen muss, um den Stock damit zu fixieren. Das ist in der Tat erstmal ungewöhnlich, stellt aber natürlich keine große Hürde dar. Natürlich bin ich mir der Tatsache bewusst, dass die Pendelbewegung bei der Pathfinder-Spitze nicht mehr in der gewohnten Art stattfindet.
[…] bietet für mein Empfinden eine deutliche Steigerung […]
Der Griff wird am Ende einseitig etwas dicker. Das erlaubt eine etwas ergonomischere Haltung, jedoch nicht so ausgeprägt, wie es beispielsweise beim IO der Fall ist. Aufgrund der Tatsache, dass hier Leder und kein Carbon zum Einsatz kam, ist das jedoch nachvollziehbar und es bietet für mein Empfinden eine deutliche Steigerung gegenüber Griffen, die gleichmäßig verlaufen. Im Gegensatz zum IO kann dieser Stock sowohl von Links- als auch von Rechtshändern geführt werden (beim IO gibt es separate Stöcke für Links- und Rechtshänder).
Für meinen Geschmack könnte der Griff ruhig länger sein. Bedingt dadurch, dass ich den Tennisarm habe, greife ich den Stock nämlich beim Heruntergehen einer Treppe vorne am Griff, um die Hebelwirkung und somit die Belastung zu reduzieren. Wäre der Griff im Verhältnis zum gesamten Stock länger, wäre auch hier die Hebelwirkung geringer.



Nachteile
Leider hat der Stock auch einige Nachteile, auf die ich nachfolgend eingehen möchte:
Pendelbewegung und Spalt
Wer jetzt mit der Pathfinder eine klassische Pendelbewegung ausführen möchte, wird auf einige Nachteile stoßen.
Zudem hat die Spitze konstruktionsbedingt einen Spalt in der Mitte.
Durch die Konstruktion lässt sich die Spitze nicht mehr so glatt von links nach rechts bewegen. Zudem hat die Spitze konstruktionsbedingt einen Spalt in der Mitte. Um genau zu sein sitzen links und rechts zwei hohle Halbkugeln, die nicht fest miteinander verbunden sind.
Dadurch kann beim Pendeln ein Feedback entstehen, dass, zumindest für meinen Geschmack, an eine eingerissene Stockspitze erinnert.



Ich selbst kann damit wunderbar leben, denn ich nutze diese Spitze ja, um die Pendelbewegung möglichst zu vermeiden. Für ein gelegentliches hin-und-her-pendeln kann man sie verwenden, aber zum Großteil wird der Stock ohne Pendelbewegung von mir geführt.
Keep rollin‘ (von ganz alleine)
Die Rollspitze bewegt sich super leichtgängig. Und wie bereits erwähnt, in jede Richtung.
Ihr solltet also die Spitze mit eurem Fuß fixieren.
Das führt aber auch zu Nachteilen. Lehnt ihr den Stock irgendwo an, wird dieser einfach nach vorne wegrollen. Bei einer klassischen Spitze, die nur nach links und rechts, aber eben nicht vor und zurück, bewegt werden kann, passiert das nicht. Ihr solltet also die Spitze mit eurem Fuß fixieren, wenn ihr ihn irgendwo anlehnt. Und wenn ihr den Stock daheim ausgefaltet platzieren wollt, hängt ihn an einen Haken oder stellt ihn in einen Schirmständer.
Haltet ihr den Stock mit dieser Spitze aber gerade nach vorne, rollt die Spitze gegebenenfalls nach links oder rechts weg.
Zudem ist mir aufgefallen, dass man auf Wegen, die nach links oder rechts etwas abschüssig sind, gegensteuern muss. Habt ihr eine klassische Stockspitze, die mit einer Pendelbewegung geführt wird, fällt dies nicht auf. Haltet ihr den Stock mit dieser Spitze aber gerade nach vorne, rollt die Spitze gegebenenfalls nach links oder rechts weg. Dann müsst ihr entsprechend Druck ausüben, um den Stock gerade zu halten.
Gewöhnungsbedürftiges Griff-Feedback
Da es sich zumindest um eine gewöhnungsbedürftige Eigenart des Stocks handelt, habe ich diese mal hier bei den Nachteilen aufgeführt.
Dadurch, dass der Griff […] etwas Spiel hat, führt das auch zu einem lauteren Geräusch […]
Dadurch, dass der Stock stoßgedämpft ist, fehlt euch das klassische feste Feedback, dass ihr von bekannten Blindenlangstöcken gewohnt seid. Haltet ihr den Stock am Griff, wirkt dieser recht wabbelig. Dadurch, dass der Griff bedingt durch den Stoßdämpfer etwas Spiel hat, führt das auch zu einem lauteren Geräusch bei der Benutzung, da Vibrationen zwar nicht an das Handgelenk weitergeleitet, jedoch durch den Griff hörbar werden.
Trotz dieser Eigenart empfinde ich das Feedback am Griff immer noch als sehr klar und präzise.
Fazit
Zwar ist diese Kombination aus Stock und Spitze schwer, aber der Stoßdämpfer in Zusammenarbeit mit der 360°-Spitze erlauben eine vollkommen neue Art der Fortbewegung mit einem Blindenlangstock.
Wer jetzt aus orthopädischen Gründen einen […] Stock sucht, der sollte sich den […] Langstock […] mal näher anschauen.
Zudem ist diese Spitze auch sehr leise, lediglich das Geräusch, dass im Griff entsteht, ist etwas gewöhnungsbedürftig.
Wer jetzt aus orthopädischen Gründen einen entsprechenden Stock sucht, der sollte sich den stoßgedämpften Langstock von Ambutech in Kombination mit der der Pathfinder-Spitze mal näher anschauen. Auch die beidhändige Nutzung mit dem ergonomisch geformten Griff ist ein großer Pluspunkt.








