Dass sehbehinderte Menschen auf vergrößernde Sehhilfen angewiesen sind, dürfte nicht ungewöhnlich sein. Hat man eine Low-Vision-Beratung besucht, bekommt man dort üblicherweise eine digitale Lupe empfohlen. Ein entsprechendes Kassenmodell habe ich hier schon mal vorgestellt.
Jedoch kann es notwendig sein, auf eine klassische Lupe zurückzugreifen. Das kann z. B. bei Sonnenlicht im Freien notwendig sein, weil man auf Display der Digitallupe zu wenig erkennen kann. Hier sollte man sich nicht mit einfachen Drogerie-Lupen begnügen. Deshalb schauen wir uns mal die mobilux® LED näher an.
In diesem Beitrag
Ausführungen der Lupe
Es gibt die Lupe mit viereckigen und runden Gläsern. Ab einer fünffachen Vergrößerung ist die Lupe naturgemäß nur noch als runde Ausführung erhältlich.
Viereckige Varianten
- 3x Vergrößerung (90×54 mm)
- 3,5x Vergrößerung (75×50 mm)
- 4x Vergrößerung (75×50 mm)
Runde Varianten
- 3x Vergrößerung (∅ 60 mm)
- 4x Vergrößerung (∅ 60 mm)
- 5x Vergrößerung (∅ 58 mm)
- 6x Vergrößerung (∅ 58 mm)
- 7x Vergrößerung (∅ 35 mm)
- 10x Vergrößerung (∅ 35 mm)
- 12,5x Vergrößerung (∅ 35 mm)
Welche Variante ist für mich am besten geeignet
Diese Frage kann ich hier nicht beantworten. Besucht am besten den Optiker eures Vertrauens. Vernünftige Optiker haben diese Lupe in allen Varianten in der Ausstellung. Da könnt ihr euch beraten lassen. Für mich ist die Variante mit der 6-fachen Vergrößerung am besten. Ab 7-fach ist mir der Glas-Durchmesser zu klein, 5-fach ist von der Vergrößerung zu gering.
Die Lupenaufsätze
Der Lupe liegen drei Aufsätze bei, mit denen ihr die Lichtfarbe beeinflussen könnt. Das kann hilfreich sein, wenn ihr die blauen Lichtanteile reduzieren wollt oder wenn euch das Licht zu stark blendet. Eine Nutzung ohne Aufsatz ist auch möglich. Dann findet keine Lichtbündelung statt. Ich persönlich finde dann aber die Ausleuchtung zu schlecht.



Neutrale Farbe
Die neutrale Farbe bündelt lediglich das Licht. Ihr erhaltet ein neutrales Licht mit optimierter Lichtausbeute.
Orange
Hierdurch wird das Licht schon fast bernsteinfarben. Sehr angenehm, wenn man Blaulicht-Anteile reduzieren möchte, um seine Augen zu schonen. Zu beachten ist allerdings, dass das Licht auch etwas dunkler ist.
Gelb
Wem der orangene Filter zu dunkel und der neutrale Filter zu grell ist, kann über den gelben Filter einen guten Mittelweg finden.
Failure by Design: Öse und Lanyard
Die Lupe verfügt über ein kleines Lanyard, welches ihr um euer Handgelenk legen könnt, damit ihr die Lupe (theoretisch) sicher halten könnt.
Das Problem stellt nämlich die Öse dar. Der Griff besteht aus zwei Teilen, die einfach nur zusammen geclippt wurden. Das trifft auch auf die Öse zu. Somit hat die Öse einen kleinen Spalt. Hat man das Lanyard eingefädelt, recht ein leichter Ruck aus, um das Lanyard durch diesen Spalt zu ziehen.
Ich habe das Problem mit meinem Optiker besprochen und das Problem tritt auch bei anderen Modellen auf, ist also Failure by Design. Jedoch hatte er einen Lösungsvorschlag, mit dem ich zwar nicht ganz glücklich bin, aber eine bessere Lösung sehe ich auch nicht:
Er hat mir das Gummi eines Brillenbandes maschinell durch die Öse gezogen. Das sitzt nun so eng, dass sich dieses Gummi nicht lösen kann. Durch dieses Gummi kann ich nun das Lanyard führen (siehe Foto).



Der Schalter
Über den Schalter muss ich gesondert leider auch ein paar Worte verlieren. Dieser ist nämlich sehr leichtgängig zu betätigen. Das führt, wenn man die Lupe z. B. in einem Rucksack mit sich führt, regelmäßig dazu, dass man die Lupe unbeabsichtigt einschaltet. Um das zu vermeiden empfiehlt es sich, vorher eine Batterie herauszunehmen.
Das Glas
Das Glas weist leider eine unschöne Eigenschaft auf: Es spiegelt sehr stark. Hier muss man aber nun sagen, dass Eschenburg hier wohl einen Kompromiss eingehen musste:
Das Glas ist sehr klar und extrem kratzfest. Hätte man nun antireflektierendes Glas genommen, hätte sich dies auf die Klarheit und Kratzunempfindlichkeit negativ ausgewirkt. In meinen Augen ist das ein Manko, mit dem man einfach leben muss.
Das Etui
Die Lupe wird mit einem Etui ausgeliefert. Wer jetzt aber glaubt, das darin die gesamte Lupe sicher aufbewahrt werden kann, irrt. Das Etui wird lediglich über das Glas gestülpt. Somit liegen sowohl der Schalter als auch die LED und somit der Lupenaufsatz frei. Dies ist beim Transport unbedingt zu beachten.



Allgemeines Lupendesign
Wie ihr auf dem Beitragsbild bereits gesehen habt, befindet sich der Griff am Rand der Lupe und nicht mittig, wie man es von klassischen Lupen kennt. Das erlaubt eine sehr entspannte und ermüdungsfreie Haltung bei der Benutzung der Lupe. Eine äußerst ausgeklügelte Designentscheidung.
Fazit
So, am Ende dieses Berichts kann ich sagen, ich habe genug gemeckert. Wer jetzt glaubt, eine schlechte Lupe vor sich zu haben, den muss ich leider enttäuschen. Ja, es stimmt: Das Glas spiegelt, der Schalter ist zu leichtgängig und über die schwache Lanyard-Öse wollen wir nicht weiter reden.
Warum ist die Lupe letztendlich trotzdem eine Empfehlung? Weil sie, gerade durch die Aufsätze im Low-Vision-Bereich eine unschlagbare Analog-Lupe ist (und ich habe schon einige Lupen getestet). Natürlich hat das ganze auch seinen Preis: 75,- € dürft ihr für diese Lupe berappen. Sie ist aber trotz der genannten Mängel ihr Geld wert, wenn man darauf achtet, bei der Öse nachzubessern und daran denkt, eine Batterie beim Transport zu entnehmen.

