Über mich


In diesem Bereich möchte ich euch ein wenig über mich erzählen. Ich gehe auf meine Augenerkrankungen ein, die Ursachen und erkläre, wie ich mit diesem Handicap fotografiere. Vielleicht hilft es euch, zu verstehen, warum meine Fotos so aussehen, wie sie sind und warum ich durch mein Handicap gewissen Limitationen unterworfen bin.


Was sehe ich?

Mein Visus beträgt auf dem rechten Auge 0,1. Auf dem linken Auge bin ich blind, wodurch mein Sichtfeld eingeschränkt und räumliches Sehen nicht vorhanden ist. Neben einer hohen Blendempfindlichkeit kommt es zu Sichtfeld-Beeinträchtigungen durch eine Hornhautepitheliopathie – vereinfacht gesagt: Ich habe eine Narbe auf der Hornhaut. Gerade draußen macht sich dies besonders bemerkbar, da dort praktisch nie optimale Lichtverhältnisse erreicht werden.

Durch das fehlende räumliche Sehen sind Hindernisse am Boden teils sehr schwer auszumachen, ebenso kann ich Treppenstufen schwer bis gar nicht erkennen. Schatten auf dem Boden erschweren dies dazu noch (was natürlich bei Sonnenschein problematisch sein kann).

Zusätzlich leide ich unter Nachtblindheit. Zu diesen Zeiten bin ich nahezu komplett blind. Der Boden ist ohne Straßenbeleuchtung für mich nicht mehr sichtbar. Mit Laternenlicht geht es. Grelle Lichter (z. B. von Autos) machen diesen Eindruck jedoch wieder zunichte. Sie schmerzen mich nicht nur extrem, sondern führen kurzzeitig auch zu nahezu vollständiger Blindheit. Durch die Hornhautnarbe bildet sich um Lichtquellen ein Lichtkreis, der alles verschwimmen lässt.

Die einzelnen Erkrankungen:

  • Astigmatismus (Hornhautverkrümmung)
  • Hemeralopie (Nachtblindheit)
  • Hornhautepitheliopathie (Vernarbung des Hornhautgewebes)
  • Keratoconjunctivitis sicca (Trockene Augen)
  • Photopsie (Lichtblitze durch abgelöste Netzhaut)

Mobilität im Alltag

Zur Fortbewegung nutze ich einen weißen Blindenlangstock, der mir frühzeitig anzeigt, ob irgendwo ein Hindernis, eine Stufe oder auch Glassplitter auf dem Boden sind. Ein Problem sind aber leider häufig Radfahrende, welche illegalerweise auf dem Gehweg fahren und somit zu einer echten Gefahr für Menschen mit Sehbehinderung oder Blindheit, die zu Fuß unterwegs sind, werden können. Der Stock hilft da zwar auch, einen gewissen Abstand zu bekommen, dennoch passiert es leider viel zu häufig, dass man beinahe von radfahrenden Personen umgefahren wird. Auch die Tatsache, dass man als Person mit Blindheit oder Sehbehinderung erschrickt, wird dabei gerne ignoriert.

Wenn ich auf vertrautem Terrain unterwegs bin, kann es auch sein, dass ich den Stock eher wie einen Spazierstock in der Hand halte und nicht permanent pendele. Schließlich kostet dies auch Kraft und sollte meiner Meinung nach nur angewandt werden, wenn es notwendig ist. Alternativ kann man den Stock auch gut ausgestreckt ohne Pendelbewegung nutzen (jedenfalls mit meinem Visus; eine blinde Person sieht das wohl anders).

Die Ursache

Im Jahre 2002 wurde bei mir eine beidseitige Netzhautablösung diagnostiziert. Aufgefallen ist mir dies, als ich auf dem linken Auge plötzlich verzerrte Linien gesehen habe, d. h., wo eine gerade Linie sein sollte (z. B. am Bildschirmrand, Bordsteinkante etc.), sah ich plötzlich eine wellige Linie. Also begab ich mich zu meinem Augenarzt, der mich an das nächste Uniklinikum überstellte. Dort wurde die beidseitige Netzhautablösung diagnostiziert. Man sagte mir, das rechte Auge sei nicht zu retten, da die Netzhaut mit dem Glaskörper verwachsen ist. Dieser muss üblicherweise jedoch entfernt werden, um an der Netzhaut operieren zu können.

Also wurden daraufhin beide Augen operiert, was mir zwar eine hohe Blendempfindlichkeit einbrachte, mir aber auch einen Visus von 0,6 auf dem linken Auge zurückbrachte. Die Sehschärfe des rechten Auges fiel jedoch auf einen Visus von 0,1. Zum Vergleich: Ein gesunder Mensch hat einen Visus von 1,0. Die Operation am rechten Auge war deshalb möglich, weil es den Ärzten gelang, den Glaskörper einen Spalt zu öffnen, um dadurch die Operation durchzuführen. Jedoch bildete sich die an vorheriger Stelle genannte Hornhautnarbe.

Im Jahre 2016 kam es zu weiteren Operationen am linken Auge. Hervorgerufen wurden diese durch verschiedene Ursachen:

  • Netzhautablösungen
  • Netzhautriss
  • Grauer Star

Zwischen 2016 und 2017 folgten insgesamt 6 weitere Operationen am linken Auge, welche in eine langanhaltende Netzhautschwellung mündeten. Diese wurde zwischen 2017 und 2018 mit insgesamt 6 Spritzen behandelt, wobei es bei der letzten Injektion zu einer Einblutung kam, die mich auf diesem Auge erblinden lies.

Ich hoffe, dass ich euch durch diesen Beitrag ein wenig zeigen konnte, wie sich die Welt als Mensch mit hochgradiger Sehbehinderung anfühlt.


Fotografieren, wenn die Augen nicht mehr mitspielen

Ich fotografiere eigentlich schon fast mein ganzes Leben lang gerne. Meine erste richtige Spiegelreflexkamera von Nikon bekam ich aber erst 2015 zu Weihnachten geschenkt. Wie zuvor erwähnt brach im Jahr 2016 meine Augenerkrankung erneut aus. Operationsbedingt habe ich seit 2016 auf dem linken Auge nichts mehr gesehen. Die Erblindung erfolgte im Jahr 2018 durch eine Einblutung. Es blieb rechts ein Restvisus von 0,1.

Anfangs hatte ich noch die Hoffnung, dass durch Operationen das Auge noch zu retten war, als sich aber Mitte des Jahres immer noch keine Besserung einstellte, beschloss ich, mir die Kamera zu schnappen und einfach drauflos zu knipsen; dank Kameraautomatik ja kein Problem.

DSLR vs. iPhone

Natürlich waren die ersten Fotos alles andere als gut, man experimentierte ja auch mit Brennweiten, Zoom und Blickwinkel. Irgendwann entschied ich mich dann für eine 35mm-Festbrennweite. Es folgte eine neue Kamera, welche auch mit Schärfepriorität fotografieren konnte, d. h., es wird erst ausgelöst, wenn der Autofokus scharf gestellt hat. Das ist zwar für bewegte Objekte schlecht, aber da ich diese eh häufig nicht sehe, habe ich mich auf Landschafts- und Architektur-Fotografie beschränkt.

Als es im Jahre 2019 an der Zeit war, sich ein neues Smartphone zu holen, entschied ich mich für ein iPhone, da dies auch auf dem Barrierefreiheitssektor ungeschlagen ist. Und natürlich fing ich auch an, damit zu fotografieren. Zwar mag vielleicht nicht die beste Kamera verbaut sein, aber bei meinen Fähigkeiten werden die Bilder mit der Spiegelreflexkamera auch nicht besser.

Eine Ausnahme bildet natürlich die Möglichkeit, Zoom-Objektive an der DSLR zu nutzen. Aber das wird für mich schwierig, wenn ich auf die Entfernung nicht erkennen kann, wo ich hinzoomen will.

Feinschliff

Anfangs habe ich die Fotos nur mit der internen Foto-App von Apple bearbeitet. Mittlerweile verwende ich RAW Power auf dem iPad. Das funktioniert super und ich bin mit den Ergebnissen echt zufrieden. (Weitere Informationen über diese App findet ihr im Tech-Corner bei den App-Vorstellungen.)

Warum fotografieren?

Oft werde ich gefragt, warum ich überhaupt fotografiere, wenn ich die Kamera überhaupt nicht bedienen kann. Die Antwort ist einfach: Es macht Spaß und am Bildschirm kann ich die Bilder vergleichweise scharf sehen. Das ermöglicht mir, die Welt die ich sonst nur sehr unscharf wahrnehme, besser zu sehen und Dinge zu erfassen, die meinen Augen draußen verborgen bleiben.