Hier möchte ich euch ein wenig über mich erzählen. Dabei gehe ich sowohl auf meine Augenerkrankungen ein als auch auf die Ursachen.
Was sehe ich?
Ich habe, bedingt durch eine Vernarbung auf der Hornhaut, 2% Sehkraft auf dem rechten Auge. Auf dem linken Auge ist kein Sehen mehr möglich, wodurch mein Sichtfeld eingeschränkt und räumliches Sehen nicht vorhanden ist. Zudem bin ich extrem blendempfindlich. Gerade draußen macht sich dies besonders bemerkbar, da dort praktisch nie optimale Lichtverhältnisse erreicht werden. Deshalb bin ich mit einer Sonnenbrille mit 90 % Tönung unterwegs.
Schatten auf dem Boden erschweren dies dazu noch […]
Durch das fehlende räumliche Sehen sind Hindernisse am Boden teils sehr schwer auszumachen, ebenso kann ich Treppenstufen schwer bis gar nicht erkennen. Schatten auf dem Boden erschweren dies dazu noch (was natürlich bei Sonnenschein problematisch sein kann).
Der Boden ist ohne Straßenbeleuchtung für mich nicht mehr sichtbar.
Zusätzlich leide ich unter Nachtblindheit. Zu diesen Zeiten bin ich nahezu komplett blind. Der Boden ist ohne Straßenbeleuchtung für mich nicht mehr sichtbar. Mit Laternenlicht geht es. Grelle Lichter (z. B. von Autos) machen diesen Eindruck jedoch wieder zunichte. Sie schmerzen mich nicht nur extrem, sondern führen kurzzeitig auch zu nahezu vollständiger Blindheit. Durch die Hornhautnarbe bildet sich um Lichtquellen ein Lichtkreis, der alles verschwimmen lässt.
Die einzelnen Erkrankungen
- Astigmatismus (Hornhautverkrümmung)
- Hemeralopie (Tag- und Nachtblindheit)
- Hornhautepitheliopathie (Vernarbung des Hornhautgewebes)
- Diplopie (Doppelsichtigkeit)
- Halo-Bildung (um Lichtquellen)
- Keratoconjunctivitis sicca (Trockene Augen)
- Photopsie (Lichtblitze durch abgelöste Netzhaut)
Natürlich ist jetzt in dieser Auflistung nicht berücksichtigt, dass ich diese 2% Sehrest nur auf dem rechten Auge habe. Da auf dem linken Auge kein Sehrest mehr vorhanden ist, kommen zusätzlich das Fehlen räumlicher Wahrnehmung und eine Einschränkung des Gesichtsfeldes hinzu.
Die 2%-Simulation
Das nachfolgende Video gibt euch einen kleinen Einblick, wie sich diese Augenerkrankung auf mein Restsehvermögen auswirkt:
Was ist die Ursache?
Im Jahre 2002 wurde bei mir im Alter von 19 Jahren eine beidseitige Netzhautablösung diagnostiziert. Aufgefallen ist mir dies, als ich auf dem linken Auge plötzlich verzerrte Linien gesehen habe, d. h., wo eine gerade Linie sein sollte (z. B. am Bildschirmrand, Bordsteinkante etc.), sah ich plötzlich eine wellige Linie.
Man sagte mir, das rechte Auge sei nicht zu retten, da die Netzhaut mit dem Glaskörper verwachsen ist.
Also begab ich mich zu meinem Augenarzt, der mich an das nächste Uniklinikum überstellte. Dort wurde die beidseitige Netzhautablösung diagnostiziert. Man sagte mir, das rechte Auge sei nicht zu retten, da die Netzhaut mit dem Glaskörper verwachsen ist. Dieser muss üblicherweise jedoch entfernt werden, um an der Netzhaut operieren zu können.
Die Sehschärfe des rechten Auges fiel jedoch auf einen Visus von 0,1.
Also wurden daraufhin beide Augen operiert, was mir zwar eine hohe Blendempfindlichkeit einbrachte, mir aber auch einen Visus von 0,6 auf dem linken Auge zurückbrachte. Die Sehschärfe des rechten Auges fiel jedoch auf einen Visus von 0,1. Zum Vergleich: Ein gesunder Mensch hat einen Visus von 1,0. Die Operation am rechten Auge war deshalb möglich, weil es den Ärzten gelang, den Glaskörper einen Spalt zu öffnen, um dadurch die Operation durchzuführen. Jedoch bildete sich die an vorheriger Stelle genannte Hornhautnarbe. Diese reduzierte meine Sehkraft weiter.
Im Jahre 2016 kam es zu weiteren Operationen am linken Auge. Hervorgerufen wurden diese durch verschiedene Ursachen:
- Netzhautablösungen
- Netzhautriss
- Grauer Star
Zwischen 2016 und 2017 folgten insgesamt 6 weitere Operationen am linken Auge, welche in eine langanhaltende Netzhautschwellung mündeten. Diese wurde zwischen 2017 und 2018 mit insgesamt 6 Spritzen behandelt, wobei es bei der letzten Injektion zu einer Einblutung kam, die mich auf diesem Auge erblinden lies.
Kann man das rechte Auge nicht lasern?
Das hat man natürlich ebenfalls untersucht. Ich habe auf dem rechten Auge eine theoretische Sehschärfe von 10%, aber durch die Hornhautvernarbung und der damit einhergehenden Störung im zentralen Gesichtsfeld eine Sehkraft von 2%.
Natürlich darf ich mich dabei nicht bewegen […]
Wenn ich nun bei leicht zusammengekniffenen Augen und minimal gedrehtem Kopf schaue, kann ich zum großen Teil an der Narbe vorbei schauen und komme so theoretisch auf die 10% Sehrest. Natürlich darf ich mich dabei nicht bewegen, weil die Narbe sonst wieder störend auffallen würde.
Das heißt vereinfacht gesagt: Unter perfekten Licht-Voraussetzungen (idR. Kunstlicht) bei entsprechender Körperhaltung ist ein höherer Visus als 2% möglich. Sobald ich aber in Bewegung bin, sind es maximal 2%.
Durch die hohe Blendempfindlichkeit bleibt aber ein sehr hohes Restrisiko, dass ich meinen Sehrest komplett verlieren könnte […]
Ein Lasern des Auges könnte jetzt die Narbe reduzieren, aber durch meine Blendempfindlichkeit besteht die große Gefahr, dass sich die Sehschärfe ebenfalls reduziert. Ich würde also meine 10% Sehschärfe verlieren und im Endeffekt einen gleichbleibenden Visus von vielleicht 4-5% haben.
Durch die hohe Blendempfindlichkeit bleibt aber ein sehr hohes Restrisiko, dass ich meinen Sehrest komplett verlieren könnte und deshalb würde an diesem Auge nur noch im Notfall operiert werden (z. B., wenn die peripher vorhandene Netzhautablösung sich bis in das zentrale Gesichtsfeld ausweiten würde).
Wie bewege ich mich im Alltag?
Zur Fortbewegung nutze ich einen weißen Blindenlangstock, der mir frühzeitig anzeigt, ob irgendwo ein Hindernis, eine Stufe oder auch Glassplitter auf dem Boden sind.
Auch die Tatsache, dass man als blinde Person erschrickt, wird dabei gerne ignoriert.
Ein Problem sind aber leider häufig Radfahrer, welche illegalerweise auf dem Gehweg fahren und somit zu einer echten Gefahr für Menschen mit Sehbehinderung oder Blindheit, die zu Fuß unterwegs sind, werden können. Der Stock hilft da zwar auch, einen gewissen Abstand zu bekommen, dennoch passiert es leider viel zu häufig, dass man von radfahrenden Personen angefahren wird. Auch die Tatsache, dass man als blinde Person erschrickt, wird dabei gerne ignoriert.
Alternativ kann man den Stock auch gut ausgestreckt ohne Pendelbewegung nutzen.
Wenn ich auf vertrautem Terrain unterwegs bin, kann es auch sein, dass ich den Stock eher wie einen Spazierstock in der Hand halte und nicht permanent pendele. Alternativ kann man den Stock auch gut ausgestreckt ohne Pendelbewegung nutzen (jedenfalls mit meinem Visus; eine blinde Person ohne Sehrest ist da vermutlich anderer Meinung).






